Dialog der Religionen

Der diesjährige Dialog der Religionen befasste sich mit dem Thema "Christentum und Islam" und war wie im letzten Jahr wieder ein voller Erfolg. Hier die Pressestimmen:

Frankfurter Rundschau 15. April 2005

Dialog mit dem Islam

Projektreihe der Marienschule

OFFENBACH * 14. APRIL * FBR * Mit dem Islam wird sich die Marienschule in ihrer Reihe „Dialog der Religionen" vom 17. April bis 13. Mai beschäftigen. „Dass wir uns jetzt mit dem Islam auseinander setzen, liegt unter anderem an dem hohen Anteil von muslimischen Mitbürgern in Offenbach“, sagt Marie Luise Trocholepczy, Leiterin der katholischen Mädchenschule.
„Unsere Schülerinnen sollen für die pluralistische Welt ausgebildet werden, in der sie leben“, sagt Trocholepczy. Deswegen wolle die Marienschule mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekttagen in einen Dialog mit den islamisch gläubigen Menschen treten. Außerdem sei es gerade für eine bekennend christliche Schule Pflicht, sich mit anderen Religionen auseinander zu setzen, ergänzt Pfarrer Alexander Nawar. Begonnen hatte der Dialog der Religionen im vergangenen Jahr mit dem Judentum.
Unterstützt wird das Gymnasium bei seinem Projekt von der Dokumentationsstelle Christlich-islamische Begegnung. Von dieser Arbeitsstelle der Deutschen Bischofskonferenz erhält die Schule zahlreiche Leihgaben, wie etwa ein marokkanisches Königszelt. Auch die Stadt ist mit im Boot. Oberbürgermeister Gerhard Grandke hat die Schirmherrschaft übernommen, das Kulturamt hilft bei der Organisation. Eröffnet wird die Dialogreihe am Sonntag, 17. April, 16 Uhr.

Frau und Mann im Islam
„Da die Marienschule ein Mädchengymnasium ist, steht inhaltlich bei dieser Dialogreihe die Rolle der Frau im Islam im Mittelpunkt“, sagt die Schulleiterin. So wird die Iranerin Hamideh Mohagheghi vom Netzwerk für islamische Frauen am 19. April, von 19.30 Uhr an, einen Vortrag mit dem Titel „Frau und Mann im Islam“ halten. Außerdem wird an einem der drei Projekttage der Schülerinnen die Schriftstellerin Fatma B. zu einer Lesung in die Schule kommen.
Mit dem Thema „Viele Kulturen! Viele Probleme?“ wird sich Luigi Masala, Integrationsbeauftragter der Stadt Offenbach, in einem Vortrag am 28. April, von 19.30 Uhr an, beschäftigen. Der Ordinariatsrat Anton van Hooff vom Mainzer Bistum will hingegen über die „Katholische Offenheit - Überzeugung oder Taktik“ am 3. Mai, von 19.30 Uhr an, referieren. Für den 11. Mai, 19.30 Uhr, lädt die Marienschule zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Gott Raum geben - Juden, Christen und Muslime im Gespräch.“ Die Veranstaltung wird moderiert von dem ehemaligen ZDF-Journalisten Michael Albus. Ihren Abschluss findet die Dialogreihe am 13. Mai, wenn die Projektarbeiten der Schülerinnen vorgestellt werden.

 

Offenbach Post, 15. April 2005

Schule sucht Dialog der Religionen

Offenbach (vla) • Schon jetzt macht der ungewohnte Anblick eines marokkanischen Königszeltes auf dem Schulhof neugierig: Mit diesem Blickfang will die Marienschule auf Veranstaltungen aufmerksam machen, die in der Reihe „Dialog der Religionen“ von der katholischen Mädchenschule präsentiert werden. „Im vergangenen Jahr haben wir die Wurzel unseres Glaubens, das Judentum, vorgestellt, nun möchten wir den Islam näher bringen“, erläutert Schulpfarrer Alexander Nawar.
Oberbürgermeister Gerhard Grandke ist Schirmherr des Religionsprojekts, Kulturamt, Klingspormuseum, und Dokumentationsstelle christlich-islamischer Begegnung in Frankfurt (CIBEDO) unterstützen.
Am Sonntag, 17 April, 16 Uhr, eröffnen Stadtrat Enno Knobel und Schulleiterin Marie Luise Trocholepczy den Veranstaltungsreigen in der Schule in der Ahornstraße 33 mit Vorträgen und Projekttagen. Barbara Huber-Rudolf von der CIBEDO führt ins Thema ein und stellt einen alevitischen Verein aus Frankfurt vor, der zu religiöser Musik tanzt.
Vom 10. bis 12. Mai werden sich die Schülerinnen bei Projekttagen mit dem Islam beschäftigen. Die Ergebnisse werden am 13. Mai nach einem ökumenischen Gottesdienst der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei sollen sich die 1100 Schülerinnen innerhalb der 35 Projekte nicht nur mit den religiösen Aspekten beschäftigen, sondern auch Einblick in die alltäglichen islamischen Lebensgewohnheiten bekommen.
„Als Mädchenschule betreffen uns die großen Schwierigkeiten der Frau in islamischen Gesellschaften“, betont Trocholepczy. Dies bestätigt auch Schulsprecherin Diandra Donecker: „Das ist einer der interessantesten Punkte für die Schülerinnen!“ Mit diesem Thema beschäftigt sich 19. April, 19.30 Uhr, die Iranerin Hamideh Mohagheghi, Juristin für islamisches Recht, in ihrem Vortrag.
„Offenbach ist für seine multi-kulti Bevölkerung bekannt, da muss man der Reserviertheit anderen Kulturen gegenüber entgegenwirken“, meint der Schulseelsorger. „Es ist schade, dass viele Schülerinnen nur negative Erfahrungen mit Muslimen gehabt haben“, schildert Diandra. „Wir wollen durch gezielte Information die bestehenden Vorurteile aus dem Weg räumen.“ Aus diesem Grund referiert Luigi Masala von der Leitstelle Zusammenleben in Offenbach am 28. April, 19.30 Uhr, über „Viele Kulturen! Viele Probleme?“.
Es gibt auch Platz für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Christentum: Unter dem Motto „Katholische Offenheit - Überzeugung oder Taktik?“ referiert Ordinariatsrat Anton van Hooff aus Mainz am 3. Mai um 19.30. Zum Abschluss gibt es eine Podiumsdiskussion am 11. Mai, 19.30, die Fernsehmoderator Michael Albus moderieren wird.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung Samstag, 16. April 2005

Marokkanisches Königszelt Orient meets Okzident: Ein marokkanisches Königszelt dient in Offenbach als Ort des Gesprächs über Kulturen

Streitgespräche im Königszelt
„Christentum und Islam“: Vortragsreihe in der katholischen Marienschule / Projekttage im Mai
OFFENBACH. Im Schulhof steht als Treffpunkt ein marokkanisches Königszelt und in der Pausenhalle können sich die Schülerinnen kalligraphische Blätter des in Offenbach lebenden islamischen Künstlers Hasan Temiztürk anschauen: Die Marienschule setzt ihre im vorigen Jahr mit Veranstaltungen zum Judentum begonnene Reihe „Dialog der Religionen“ jetzt mit dem Thema „Christentum und Islam“ fort. Marie Luise Trocholepzy, Leiterin der in Trägerschaft der Diözese Mainz befindlichen Mädchenschule, kündigt neben fünf Veranstaltungen auch Projekttage an, die vom 10. bis zum 13. Mai stattfinden. So wollen die Schülerinnen eine Koranschule besuchen und sich mit muslimischen Mädchen treffen. Schirmherr der Veranstaltungsreihe ist Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD). Zur Eröffnung spricht am morgigen Sonntag um 16 Uhr in der Marienschule, Ahornstraße 33, der ehrenamtliche Stadtrat Enno Knobel (SPD).
Wie Trocholepzy sagt, ist es Ziel des Projekts, den Schülerinnen Informationen über den Islam zu vermitteln, um differenziert urteilen zu können. Strittige Themen würden deshalb nicht ausgespart, etwa die „Ehrenmorde“, der politische und religiöse Fundamentalismus, der Bau von Moscheen. „Wir müssen uns die ganze Wirklichkeit anschauen“, sagt die Schulleiterin. Unterstützt wird die Reihe vom Kulturamt, dem Klingspor-Museum und der Deutschen Bischofskonferenz.

Der erste Vortragsabend findet am Dienstag statt. Hamideh Mohagheghi, von „Huda“, Netzwerk für islamische Frauen, referiert über „Frau und Mann im Islam“. Am 28. April spricht Luigi Masala von der Leitstelle „Zusammenleben in Offenbach“ zum Thema „Viele Kulturen! Viele Probleme?“
Der Ordinariatsrat Anton van Hoof will am 3. Mai über die Frage sprechen „Katholische Offenheit – Überzeugung oder Taktik?“. Zum Abschluss leitet Michael Albus am 11. Mai ein Podiumsgespräch, das den Titel hat „ Gott Raum geben“. Es diskutieren Petra Kunik, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Frankfurt, Hasan Temiztürk und Peter Sajak vom Bistum Mainz. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr. ajw.

Offenbach Post vom 19. April 2005

Vortrag von Barbara Huber-Rudolf

Wie unterschiedlich die verschiedenen islamischen Glaubensgemeinschaften sind, stellte die Theologin und Islamwissenschaftlerin Barbara Huber-Rudolf in einem kurzen Vortrag dar.

Verschlossene Türen öffnen

Dialog der Religionen an Marienschule

Offenbach (ddü) • Ohne Dialog kein gegenseitiger Respekt - ohne Respekt kein friedliches Zusammenleben. Die Offenbacher Marienschule lädt zum zweiten Mal zum Dialog der Religionen ein. Stand im vergangenen Jahr das Judentum im Mittelpunkt, beschäftigen sich die Veranstaltungen diesmal mit dem schwierigen Verhältnis von Islam und Christentum. „Unverständnis und Angst prägen unseren Blick auf den Islam“, stellte Schulleiterin Marie Luise Trocholepczy bei der Auftaktveranstaltung am Sonntag fest. Sie kritisierte die pauschale Schuldzuweisung, der sich Moslems nach den Anschlägen vom 11. September 2001 häufig ausgesetzt sehen, und zitierte den kürzlich verstorbenen Papst Johannes Paul II., der 2001 in einer Moschee in Damaskus gesagt hatte: „Wir wollen Partner sein für das Wohl der Menschheitsfamilie.“
Stadtrat Enno Knobel erklärte, dass es kein Standardrezept für respektvolles Zusammenleben gebe, durchaus aber einen Weg: den Dialog. „Wer nicht dialogfähig ist, bewegt sich außerhalb der Gesellschaft“, so Knobel. „Verschlossene Türen müssen geöffnet werden“, forderte der Stadtrat.

Die meisten Christen wissen nicht viel über den Islam, und Unwissenheit ist bekanntlich der Nährboden für Vorurteile und Ressentiments. Wie unterschiedlich die verschiedenen islamischen Glaubensgemeinschaften sind, stellte Theologin und Islamwissenschaftlerin Barbara Huber-Rudolf in einem kurzen Vortrag dar. Sie sprach zunächst über religiöse Musik im Islam, über Pilgergesänge und vertonte Gebete, um dann eine Gruppe vorzustellen, bei der die Musik eine besonders große Rolle spielt: die Aleviten. „Bei den Aleviten handelt es sich um eine eigene religiöse Ausprägung zwischen den islamischen Hauptströmungen Sunna und Schia“, erklärte Huber-Rudolf. Die volksreligiöse Gesellschaft, die ihre meisten Anhänger in der Türkei und Syrien hat, kennt keine strengen Regeln für das alltägliche Leben, eine strikte Geschlechtertrennung oder das Verschleierungsgebot für Frauen ist ihr fremd.
Auch haben die Aleviten keine Moscheen, sondern treffen sich zum Gebet in speziellen Gemeinschaftsräumen. In den 1970er Jahren sahen sich die türkischen Aleviten zunehmend Versuchen der aggressiven Sunnitisierung ausgesetzt - nicht zuletzt deshalb leben heute viele von ihnen in der europäischen Union.
Wie die Aleviten ihren Gott mit Musik und Gesang feiern, zeigte nach dem Vortrag eine vierköpfige Gruppe des alevitischen Kulturvereins aus Frankfurt. Ihre religiösen Lieder begleiteten die Musiker mit dem traditionellen Instrument der Aleviten - der Saz, einer Art Gitarre. Der getragene, leicht melancholische Gesang enthält Lobpreisungen Allahs und vertonte Gebete.
Das weitere Programm der Projekt und Dialogwochen „Islam und Christentum“: 19. April, 19.30 Uhr „Frau und Mann im Islam“, 28. April, 19.30 Uhr „Viele Kulturen - Viele Probleme?“, 3. Mai, 19:30 Uhr „Katholische Offenheit - Überzeugung oder Taktik?“, 11. Mai, 19.30 Uhr „Gott Raum geben - Juden, Christen und Muslime im Gespräch“. Alle Veranstaltungen finden in der Marienschule, Ahornstraße

Frankfurter Rundschau Samstag, 16. April 2005
Glosse


Wir sind wir

Von Florian Brückner


Es ist nicht zu fassen. Überall nur noch Sodom und Gomorrha? Steht etwa der Untergang des Abendlandes kurz bevor? Was ist passiert? Ausgerechnet die katholische Marienschule des Ursulinenordens eröffnet am Sonntag den zweiten Teil ihrer Reihe „Dialog der Religionen“. Und was nehmen sich die Schülerinnen zum Thema? Den Islam! Dabei gibt es doch in Offenbach überhaupt keinen Dialog zwischen katholischer Kirche und islamischer Gemeinschaft. Das meint zumindest der katholische Dekan. Der sieht auch gar keine Notwendigkeit dafür, warum es einen Rinden Tisch aus Kirchen, Stadt und islamischer Gemeinschaft geben sollte. Schließlich gilt: Wir sind wir, und die sind die – oder so.

Aber es kommt noch schlimmer für den Hüter der reinen katholischen Lehre in Offenbach. Denn die offensichtlich fehlgeleitete Marienschule bekommt auch noch kirchliche Unterstützung. So entsendet das Mainzer Bistum niemand Geringeres als einen Ordinariatsrat nach Offenbach. Aber eben nicht, um da mal kräftig aufzuräumen, nein, der will sich auch noch Gedanken machen über das Verhältnis von katholischer Kirche zum Islam. Und es kommt noch doller: Die christlich-islamische Dokumentationsstelle der deutschen Bischofskonferenz ist auch mit von der Partie und überlässt der Marienschule sogar noch ein marokkanisches Zelt! Wo gibt`s denn so was?

Bei der katholischen Kirche. denn da beschreiten immer noch mehr als genug Christen den Weg, den ihr verstorbener Papst vorgegeben hat – den Dialog der Religionen. Der Papst höchstselbst war es, der eine Mosche besuchte und immer wieder das Gespräch mit den muslimischen Gläubigen suchte. Nun, seine Botschaft ist offenbar nicht bei jedem seiner Schäfchen überall ganz angekommen.

 

Offenbach Post Freitag, 13. Mai 2005

„Der Glaube ist für mich eine Art Festung“


Diskussion in der Marienschule

Offenbach (eva) • Zum „Trialog“ der Religionen hatte die Marienschule geladen. Die Podiumsdiskussion „ Gott Raum geben - Juden, Christen und Muslime im Gespräch" war abschließende Veranstaltung der Reihe „Christen und Islam“.
Nicht nur „oberflächliche, politische Diskussionen“ wünschte sich der Moderator des Abends, Michael Albus, der für seine Fernsehbeiträge sowie als Kommentator im „Heute Journal“ bekannt ist - sondern ein Gespräch über Religion und was diese für den Einzelnen bedeute.
Über ihre persönliche Haltung zum Glauben, Unterschiede und Möglichkeiten des friedlichen Miteinanders diskutierten Petra Kunik, Autorin und aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Religionspädagoge und Katholik Clauß Peter Sajak , der in seinem muslimischen Glauben engagierte Assan Temitztuerk und die Schulsprecherin der Marienschule Diandra Donnecker. „Der Glaube ist für mich eine Art Festung, an der man sich orientieren kann, der Mensch braucht etwas zum Festhalten“, so die 16-jährige Schülerin. Damit brachte sie eine entscheidende Gemeinsamkeit der Religionen auf den Punkt.. Aber vor allem die Unterschiede wurden Gegenstand der Diskussion.
Autorin Petra Kunik berichtete von ihren Erfahrungen in den Schulen: „Es gibt viele arabisch stämmige Schüler; die dem Unterricht fern bleiben, wenn ich eingeladen werde. Manche laden mich gar nicht mehr ein, aus Angst vor den Diskussionen.“ Um so wichtiger sei deshalb der Dialog zwischen den Religionen und Kulturen.
Auch Schulsprecherin Diandra Donnecker brachte ihre Erlebnisse ein: „Wir sprechen untereinander über diese Themen, auch bezogen auf die tagesaktuelle Politik und unsere speziellen Erfahrungen in Offenbach. Die sind leider oft negativ:“
Als wichtige Ursache für die Schwierigkeiten des Miteinanders machten die Vertreter der Religionen außer den Familien vor allem die Schule aus. „Es ist auch Auftrag der Schule, Religion nahe zu bringen“, so Clauß Peter Sajak. Gerade im Verständnis der anderen Religion gelinge das aber nicht immer: „Mir sträuben sich die Haare, was in manchen Schulbüchern über den Islam steht“; so ein Beitrag aus dem Publikum.
Ein Steinchen ins Mosaik der Toleranz fügte die Marienschule überdies mit ihrer aktuellen Projektwoche. Dabei lernten die Schülerinnen den Islam kennen. Wichtiges Thema für die Mädchen: „Die Stellung der Frau und darüber hinaus die Stellung des Menschen überhaupt im Islam,“ berichtete Schulpfarrer Dr. Alexander Nawar.

Plakat zum Dialog der Religionen:

Dialog der Religionen - Christentum und Islam