Dialog der Religionen

In diesem Jahr wird der Dialog der Religionen fortgesetzt vom 17. April bis 13 Mai 2005. Hier ein Rückblick auf die Veranstaltungen des vergangenen Jahres:

Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben

Ausstellung vom 07. bis 23. März 2004 - Rückblick

Ausstellung Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben 2004

Die Marienschule in Offenbach sucht den Dialog der Religionen.
Chanukkaleuchter, Gebetsriemen, Gewürzbehälter, ein gedeckter Schabbattisch - alltägliche Gegenstände aus dem rituellen jüdischen Leben zeigt die Marienschule in Offenbach in einer Ausstellung zu den Festen des Judentums vom 7. bis 23. März 2004.

Teller Mit dieser Ausstellung beginnt eine Reihe "Dialog der Religionen". Dieses Gesprächsforum soll Schülerinnen zur Auseinandersetzung und zum Dialog mit anderen Kulturen und Religionen befähigen.
Alle Interessierten sind von Montag bis Freitag, in der Zeit von 8.00 bis 14.00 Uhr an der Marienschule eingeladen, sich mit dem jüdischen Brauchtum auseinander zu setzen.
Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Gerhard Grandke, gemeinsam mit dem Forum Kultur der Stadt Offenbach sowie der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Offenbach konnte die Schule diese Ausstellung organisieren. Die Idee zu dieser Veranstaltung war aus einer Unterrichtseinheit zum Thema Judentum erwachsen. Frau Dr. Marianne Zingel aus Göttingen, die Großtante einer unserer Schülerinnen, hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, Leihgaben aus ihrer Sammlung zur Verfügung zu stellen.
Die Ausstellung wird am Sonntag, dem 7. März 2004, um 16.00 Uhr eröffnet, an dem Tag, an dem die Juden in aller Welt das Purimfest feiern. Ergänzend zur Ausstellung wird Professor Dr. Alfred Mertens aus Mainz zwei Vorträge halten: 10 März 2004: "Der Schabbat im Judentum", 13. März 2004: "Christentum ohne Judentum?"
(Text, Fotos: Offenbach-Post vom 10.März 2004)

Am Anfang stand der Fettnapf

Offenbach: Ausstellung soll zur Beschäftigung mit dem Judentum anregen
von Annette Becker, erschienen in der Jüdischen Allgemeine am 11.März 2004

Am Anfang war der Fettnapf. "Haben Juden eigentlich auch Psalmen?" hatte ein argloser christlicher Gast bei einer Begegnungsveranstaltung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Göttingen einst gefragt.

Marianne Zingel versank vor Scham fast in den Boden. Mitte der neunziger Jahre war das. Ein Rabbiner tröstete die engagierte Christin: "Machen Sie sich nichts daraus, solche Fragen könnten unsere Leute Ihnen ja auch stellen." Das reichte der promovierten Germanistin und Musikwissenschaftlerin aber nicht. Sie konzipierte die Ausstellung "Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben", die nun zum zwanzigsten Mal gezeigt wird.

Ausstellungsort ist die Marienschule in Offenbach, eine staatlich anerkannte christliche Gesamtschule mit Schwerpunkt Musik, gymnasialer Oberstufe und Berufsfachschule in Trägerschaft des Bistums Mainz. Rund elfhundert Mädchen und junge Frauen bereiten sich dort auf Studium und Berufsleben vor. Eine von ihnen ist Carina Johannsen. Als Pfarrer Alexander Nawar mit den Schülerinnen der zehnten Klasse im Religionsunterricht das Thema Weltreligionen durchnahm, fiel der Sechzehnjährigen ihre Göttinger Großtante und deren Ausstellung ein, die unter anderem 1998 in Mainz auf dem Katholikentag zu sehen war. Der Pfarrer informierte die Schulleiterin Marie Luise Trocholepczy. Gemeinsam mit dem Forum Kultur der Stadt Offenbach und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Offenbach holte man die Ausstellung an die Marienschule. Oberbürgermeister Gerhard Grandke übernahm die Schirmherrschaft. Das Offenbacher Stadtarchiv stellte Vitrinen zur Verfügung und ergänzte die Ausstellung mit historischem Material zur Geschichte der Offenbacher Juden.

Rund dreihundert Fotografien, Reproduktionen, Textauszüge und rituelle Gegenstände aus fünf Jahrhunderten sollen interessierten nichtjüdischen Menschen das jüdische Glaubensleben nahebringen, gemäß dem Wunsch des verstorbenen Zentralratspräsidenten Ignatz Bubis, der immer wieder ausdrücklich zum aufklärerischen Dialog eingeladen hatte. "Ich habe die Nazizeit noch miterlebt", sagt Marianne Zingel. "Und ich finde es schlimm, Zeitgenossin zu sein und so wenig zu wissen." Für die Siebenundsiebzigjährige kann der Dialog gar nicht früh genug beginnen. "Man muss bei den Kindern anfangen", betont sie. "Die sind noch so offen." Am schönsten ist es für Marianne Zingel, wenn christliche Kinder die Schilderungen des jüdischen Glaubenslebens in ihr eigenes Leben zu übertragen versuchen. Einmal fragte sie ein kleiner Junge: "Wir haben keinen Garten. Wo stelle ich denn dann meine Laubhütte auf?" Da empfahl sie ihm den Balkon.

Mit der Ausstellung "Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben" eröffnet die Marienschule ihre Reihe "Dialog der Religionen". Ergänzend zur Ausstellung hält der Mainzer Bibelwissenschaftler Alfred Mertens einen Vortrag zu "Christentum ohne Judentum?" (18. März 2004). Am 23. März 2004 singt der Kammerchor der Marienschule (Leitung: Brigitte Rudin) im Gesprächskonzert "... abgeschnitten von der Welt" mit Werken von Rolf Rudin nach Texten von Anne Frank.

Die Ausstellung "Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben" ist bis zum 23. März 2004 montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr in der Eingangshalle und zwei Klassenräumen zu sehen. Der Katalog zur Ausstellung kostet acht Euro. Für Schulklassen und Gruppen bieten die Religionslehrkräfte der Schule Führungen an. Anmeldung ist erwünscht.

Vom Haupt des Jahres bis zum Trauertag

Eine Ausstellung in der Offenbacher Marienschule beschäftigt sich mit Glaube und Leben im Judentum
Von Angelika Ohliger, erschienen in der Frankfurter Rundschau vom 06. März 2004

Marianne ZingelDas Widderhorn, die Schofar, wird zu Neujahr geblasen. Marianne Zingel legt es zu Honiggefäß und Apfel, ebenfalls wichtig fürs Fest.

Bild: Oliver Weiner








Eine Ausstellung zu Festen und zum Alltag im Judentum wird am Sonntag in der Marienschule in Offenbach eröffnet.
"Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben" wird dort bis zum 23. März zu sehen sein.

Die Idee kam im katholischen Religionsunterricht auf. Pfarrer Alexander Nawar nahm in einer zehnten Klasse der Marienschule turnusgemäß das Thema Weltreligionen und - mit größerer Ausführlichkeit - das Judentum durch.

Dass daraus eine Ausstellung, die erste ihrer Art an der Marienschule, entstand, ist einer Schülerin zu verdanken. Sie brachte ihre Großtante in Göttingen ins Gespräch. Marianne Zingel befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Judentum, begann Mitte der 90er Jahre, Material zu sammeln, das sie seit 1996 ausstellt. Die Offenbacher Marienschule ist die 20. Station.
"Eine christliche Schule hat den Erziehungsauftrag, Respekt vor dem Anderen zu haben, und das Fremde als Fremdes stehen zu lassen, sagt Marie Luise Trocholepczy. Sie ist Leiterin der Marienschule, eine Mädchenschule, die vom Bistum Mainz getragen wird. Weitere Aktionen zum Thema "Dialog der Religionen" sollen folgen. "In einer Welt, in der Religion eher entzweit als zu einen, ist das besonders wichtig", sagt Pfarrer Nawar. Das Judentum nehme als Wurzel des Christentums eine besondere Stellung ein. "Unsere Riten sind nur zu begreifen, wenn wir das Judentum begreifen."

Ähnlich ist auch der Ansatz von Marianne Zingel. Die promovierte Germanistin und Musikwissenschaftlerin will zeigen, was Juden zu Juden macht: ihre Religion, ihre aus der Geschichte des Volkes erwachsenen Traditionen und Feste. Um Aufklärung geht es der 77 Jahre alten Katholikin, un darum, Vorurteile aus der Welt zu schaffen. Im Schulfoyer zeigt sie den Jahreslauf im Judentum mit den Festen, beginnend mit Rosch ha-Schana (wörtlich übersetzt: Haupt des Jahres), dem Neujahrsfest, bis zu Tischa be Aw, einem Tag tiefer Trauer und strengen Fastens. Zingel informiert auf Schautafeln, passend dazu findet der Besucher in Vitrinen Gegenstände aus dem rituellen Leben wie Chanukkaleuchter, Gebetsriemen, Gewürzbehälter und einen gedeckten Schabatttisch. Schabatt und Synagoge sind weitere Themen im Foyer. Im Raum nebenan dokumentiert die Ausstellung die Geschichte der Juden. Zweites Thema dort sind die Lebensphasen. Beschneidung, Bar und Bat Mizwa, Hochzeit und Scheidung gehören dazu.

Zwei Vitrinen im Foyer hat die Stadt bestückt. Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel stellte Exponate zusammen, die 300 Jahre Geschichte der Juden in Offenbach widerspiegeln. Darauf hat Kulturamtsleiterin Lydia Gesenhus Wert gelegt: "Wir wollen den Schülerinnen zeigen, dass es auch in Offenbach etwas gibt, worüber das Nachdenken lohnt."

Dialog zwischen den Religionen

Ausstellung "Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben" in der Marienschule eröffnet
Stadtpost vom 10. März 2004

Die Marienschule in Offenbach, eine anerkannte Bildungsstätte für heranwachsende Frauen, sucht den Dialog der Religionen.

Eine Ausstellung über das Judentum soll den Dialog der Religionen anregen, begleitende Fachvorträge das Wissen und Verständnis über Brauchtum, Zeremonien und Glaube vertiefen. Die Idee zu dieser Veranstaltung war aus einer Unterrichtseinheit zum Thema Judentum erwachsen.

Dr. Marianne Zingel, eine Großtante einer Schülerin, besitzt eine große Dokumentation und stellte sie zur Verfügung. Dr. Alfred Mertens aus Mainz hält zwei Fachvorträge über "Der Schabbat im Judentum" (10. März 2004) und "Christentum ohne Judentum?" (13. März 2004).

Dialog zwischen den ReligionenAn dem Tag, an dem die Juden in aller Welt ihr "Purimfest" feiern, wurde die Ausstellung von Oberbürgermeister Gerhard Grandke eröffnet.

"Diese Gesprächsform soll unsere Schülerinnen zur Auseinandersetzung und zum Dialog mit anderen Kulturen und Religionen befähigen", meinte Marie Luise Trocholepczy, die Direktorin der Marienschule zur Eröffnung. Wie groß das Interesse an diesem Dialog ist, belegt das Engagement der Schülerinnen, Lehrer, und der Eltern im Rahmen der Vorbereitung für diese Ausstellung. "Das Judentum hat nicht nur narrative Erscheinungen zu bieten, es sind vor allem die zeremoniellen Begleiterscheinungen, die uns so geheimnisvoll erscheinen", betonte die Direktorin. Auch Oberbürgermeister Gerhard Grandke plädierte in der "multikulturellen Großstadt Offenbach" für einen bewussten Dialog nicht nur der Religionen, sondern auch der Kulturen. "Es ist besonders schwierig dort Brücken zwischen einer multikulturellen Gesellschaft zu bauen, wo es Probleme mit dem Bildungsstand der Unterschicht gibt", verwies das Stadtoberhaupt auf eine "Offenbach-relevante" Situation. So hofft er darauf, dass von vielen Schulen das Angebot zum Besuch dieser Ausstellung angenommen und das Verständnis gerade gegenüber dem Judentum gefördert wird. "Ein friedliches Miteinander und die Toleranz des anderen ist die Grundvoraussetzung unseres Seins", appellierte das Stadtoberhaupt an alle in Offenbach lebenden Bürgerinnen und Bürger, gleich welcher Nation oder Glaubens. Als besonderen Dank für den Anstoß eines hoffentlich fruchtbaren Dialoges überreichte er der Direktorin der Marienschule eine dreibändige Dokumentation des Judentums in Offenbach.

Der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Offenbach, Dr. Jacob Kerem-Weinberger, sah die Ausstellung "mit viel Liebe gemacht", wenngleich sie nur einen kleinen Teil der über dreieinhalbtausendjährigen Geschichte des Judentums zeigen könne. "Die jüdische Religion basiert auf den Gesetzen von Moses, später kamen andere Gelehrte hinzu und es kam zu einer Vermischung und teilweisen Neuauslegung", beschrieb Kerem-Weinberger die Entstehung der christlichen Religionen. Auch Jesus war ein Jude und 600 Jahre später kam der Islam, alle haben ähnliche Wurzeln, so der Vorsitzende. Mit dem Zitat eines jüdischen Gelehrten zum Purimfest: "Man möge so viel trinken dass man die Bösen nicht mehr von den Guten unterscheiden kann", gab er wohl die beste Anregung zum Dialog.

"Die Wurzel, die uns trägt, kennen lernen"

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06. März 2004

Die katholische Marienschule in Offenbach zeigt eine Ausstellung zu den jüdischen Feiertagen / Vorträge und Konzert

Schriftrolle Esther"Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben" lautet der Titel einer Ausstellung, mit der die katholische Marienschule über die Feiertage der Juden informieren will. Schirmherr ist Oberbürgermeister Gerhard Grandke (SPD), der die Ausstellung morgen um 16 Uhr eröffnet.




Die Ausstellung, deren Konzept die Zustimmung von Landesrabbiner Henry Brandt gefunden hat, bietet mit 50 Tafeln und vielen Exponaten Einblick in die jüdischen Feiertage - angefangen vom Neujahrsfest "Rosch ha-Schana" bis zum Trauertag "Tischa be-Aw".

Das Leben der jüdischen Familie wird ebenso dargestellt wie der Gottesdienst in der Synagoge und die Geschichte der Juden in Deutschland. Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei Vitrinen, in denen Stadtarchivar Hans-Georg Ruppel die Historie der Offenbacher Juden seit dem frühen 18. Jahrhundert dokumentiert.

Schulleiterin Marie Luise Trocholepczy und Lydia Gesenhus, Leiterin des Kulturamts, haben den Eröffnungstermin für die Ausstellung mit Bedacht gewählt, feiern doch Juden in aller Welt morgen das Purimfest. Es erinnert an die Rettung der Juden vor der Verfolgung durch den Minister Haman am Hofe des persischen Königs Xerxes (Regierungszeit 485 bis 465 vor Christi Geburt) und gilt als das fröhlichste jüdische Fest.

In der Ausstellung ist unter anderem ein Replikat der "Megillat Esther" - der Schriftrolle "Esther" - zu sehen, die 1616 in Ferrara kunstvoll gefertigt wurde. Aus einer solchen Schriftrolle lesen Juden im Gottesdienst die Erzählung zum Purimfest. Bei der Nennung des Namens "Haman" sollen die Kinder mit Ratschen Krach schlagen: Eine solche hölzerne Ratsche liegt auch in der Vitrine. Mit dem Erlös aus dem Verkauf selbstgebackener "Hamantaschen", ein süßes Teiggebäck, wollen die Schülerinnen den jüdischen Kindergarten in Offenbach unterstützen.

Zusammengestellt wurde die Ausstellung von der Göttinger Germanistin und Musikwissenschaftlerin Marianne Zingel. Sie will als Christin die Grundlagen jüdischen Lebens Menschen anderen Glaubens nahe bringen. Mitte der neunziger Jahre begann Zingel, Dokumente zu den jüdischen Feiertagen zu sammeln, historische Zeichnungen, Fotografien und Texte. Hinzu kamen Kultgegenstände, die sie als Leihgabe von Museen erhielt und später durch selbstgekaufte ersetzte, etwa Gebetsschal oder Thorarolle.

Die Ausstellung war bereits an 20 Orten zu sehen, darunter Seligenstadt und Mainz. Für Schulleiterin Trocholepczy und Alexander Nawar, der an der Marienschule Deutsch und katholische Religion unterrichtet, ist die Ausstellung Teil des "Dialogs der Religionen". Das Judentum sei "die Wurzel, die uns trägt", daher müsse man es kennen lernen, sagt Nawar. Die Marienschule ist eine Gesamtschule in der Verantwortung des Bistums Mainz und wird von Mädchen besucht.

Begleitend zur Ausstellung, die bis zum 23. März gezeigt wird, bietet die Marienschule an der Ahornstraße zwei Vorträge und ein Konzert an. So spricht der emeritierte katholische Theologe Alexander Mertens am Mittwoch zu dem Thema "Der Schabbat im Judentum" und am 18. März über den "gegenwärtigen Stand des christlich-jüdischen Dialogs". Die Vorträge beginnen jeweils um 19 Uhr. Zum Abschluss veranstaltet die Schule am 23. März um 19.30 Uhr ein "Gesprächskonzert" mit dem Komponisten Rolf Rudin, der Texte von Anne Frank vertont hat. Es singt der Kammerchor der Marienschule unter Leitung von Brigitte Rudin.

ajw.

Plakat zur Ausstellung

Plakat zur Ausstellung Jüdischer Glaube - Jüdisches Leben