Pol&IS

Bericht zum Simulationsspiel Politik und Internationale Sicherheit Pol&IS 2005


In unserer Projektwoche vom 10.10. bis zum 13.10. nahmen 26 Schülerinnen der Marienschule und 22 Schüler und Schülerinnen aus Amöneburg auf Burg Friedewald im Westerwald die Weltpolitik in unsere Hände. Nach einem leckeren Mittagessen und dem Aufteilen in komfortable Zimmer, wurde um 14 Uhr sofort mit der Simulation begonnen. Zunächst wurden die Rollen vergeben. Diese beinhalteten die Weltpresse, die Weltbank, die NGO (Nicht-Regierungsorganisation; dazu zählt unter anderem Green Peace), den Generalsekretär der UN und die Ländervertreter (Nordamerika, Westeuropa, Japan, Arabien, Osteuropa, GUS [Gemeinschaft unabhängiger Staaten], China, Asien, Afrika, Südamerika und Ozeanien). Jedes Land hatte einen Regierungschef, der verhandelte, Verträge unterzeichnete, Programme schrieb und versuchte, wiedergewählt zu werden. Dazu gehörte ein Staatsminister, der vor allem für die Truppenbewegung sowie Auf- und Abrüstung zuständig war. Der Wirtschaftsminister schließlich gab den beiden den finanziellen Spielraum für ihre Verhandlungen vor. Auch musste er die Handelsverträge seiner Regierung in der Handelsphase einlösen. In allen Ländern außer China (Kommunismus) und Arabien (Monarchie) gab es außerdem noch einen Oppositionsführer. Dieser nahm an den Sitzungen der NGO teil und versuchte, sich zum neuen Regierungschef wählen zu lassen.
Die Simulation geht je nach Schnelligkeit und Arbeitsaufwand über mehrere Jahre. Wir haben in den 4 Tagen 5 Jahre geschafft! Ein Jahr hatte immer dieselbe Struktur: Nach einer längeren Beratungsphase innerhalb der Länder folgte die Produktions- und Kartenarbeit. In dieser Phase füllt der Wirtschaftsminister das Produktionsformular aus, um informieren zu können, welchen Handlungsspielraum der Regierungschef in der nächsten Phase hat. In der Zwischenzeit kümmert sich der Staatsminister um die Truppenbewegungen an der Karte. In der jetzt folgenden Kurzberatungsphase 1 tauschen die Minister kurz ihre Erkenntnisse aus. Nun ziehen sich die Wirtschaftsminister in den von der Weltbank vorbereiteten Börsenraum zurück, um zu handeln. Währenddessen werden von Regierungschef und Staatsminister neue Verträge ausgehandelt und unterschrieben. Danach trifft man sich in den Ländern zur Kurzberatungsphase 2, um Neuigkeiten auszutauschen. Am Ende eines jeden Pol&iIS-Jahres folgt die UNO-Vollversammlung, in der je ein Vertreter eine Rede zum erreichten Stand der Politik seines Landes halten muss (Im Laufe der Zeit musste jeder von uns eine Rede halten). In dieser Versammlung konnten Anträge auf Einberufung des UN-Sicherheitsrat (Regierungschefs und Staatsminister) oder den Weltwirtschaftsgipfel (Wirtschaftsminister) gestellt werden.
Am Ende des Jahres wurden noch aktuelle realitätsnahe Kurznachrichten vorgelegt, die jedem Land die von ihm zu bekämpfenden Probleme vorstellte. Auf diese Nachrichten mussten die Regierungen im nächsten Jahr dann mit durchdachten und finanzierten Programmen reagieren, um negative Auswirkungen wieder rückgängig zu machen. Das war keine leichte Aufgabe, denn diese besagten Programme kosteten Geld.
Am Ende jedes zweiten Jahres wurden Wahlen abgehalten. Für diese Zeit wurden wir alle zu Bürgern des Landes, das an der Reihe war. Regierungschef und Oppositionsführer hielten Reden und mussten sich im Anschluss noch kritischen Fragen stellen. Danach stimmten wir ab. Moderiert wurde das ganze von den Vertreterinnen der Weltpresse.
Im dritten Jahr gab es dann als Höhepunkt die EXPO, um die sich jedes Land bewerben sollte, da man durch sie einen wirtschaftlichen Aufschwung erreichen konnte. Neben dem Finden eines geeigneten Standortes, eines Mottos und eines Maskottchen sollte man auch darstellerisch etwas machen, was oftmals sehr lustig war. Am Ende hat Südamerika durch eine wirkliche gelungene „Tanzdarbietung“ gewonnen.
Nun könnte die Simulation recht einfach erscheinen. Aber beispielweise allein schon die Konversation während der Beratungsphasen wurde doch erheblich eingeschränkt, als man uns mitteilte, man müsse Flugkosten zahlen, wenn man sich an einen anderen Tisch (also in ein anderes Land) begibt. Das war’s dann wohl mit Reden unter Freunden oder heimlichen Verträgen außerhalb der dafür vorgesehenen Phase. Und auch das Wirtschaften war nicht so einfach, wie sich das vielleicht manch einer vorgestellt hatte, so führte eine schlechte Kooperation zwischen dem Staats- und Wirtschaftsminister dazu, dass sich das Land wie zum Beispiel China komplett runter wirtschaftete und es einige Verträge nicht einhalten konnte. Aber auch wenn man genug an Geld und Gütern hatte, wie Westeuropa, wurde man ständig dazu verpflichtet, irgendwelche Ländern zu unterstützen. – Trotz diesen Schwierigkeiten war alles in allem die Zeit sehr schön. Man hat nicht nur viel über Politik und deren Hintergründe gelernt, sondern auch wie man Reden hält und frei reden kann. Und am Donnerstagmittag ging es dann nach Hause, teils sogar mit traurigen Gesichtern, denn man hätte gern noch weiter gemacht mit der Simulation, auch wenn das vielleicht nicht sonderlich gut gewesen wäre, da Nordamerika damit gedroht hatte, fünf Atombomben auf Arabien abzuwerfen! Aber vielleicht kann man das ja nächstes Jahr noch einmal erleben, wünschenswert wäre es auf jeden Fall!

Katharina Sahm und Sabrina Grab, Jahrgangsstufe 12 der Marienschule