Das pädagogische Konzept „projet éducatif“
stellt eine Leitidee katholischer Schulen dar, mit der Zielsetzung „Schule
als Erziehungsgemeinschaft“ im Konsens zu gestalten. Es stützt
sich auf die Diskussionen nach dem II. Vatikanum und wurde von Prof. Wittenbruch
in Nordrhein Westfalen weiter entwickelt. Dort hat es an vielen katholischen
Schulen konkret nachweisbare Spuren hinterlassen.
Von dieser regulativen Leitidee ausgehend definiert katholische Schule im
Bemühen „gute Schule“ zu sein, eigenständige Leitziele
für Bildung und Erziehung. Diese sollen eine Synthese von Glaube und
Kultur beinhalten: Aus dem Horizont eines offenen christlichen Menschen- und
Weltbildes soll sich mit den jeweils wechselnden gesellschaftlichen Anforderungen
auseinander gesetzt werden, um Schule und Unterricht „vor Ort“
im „reflexiven Lernen“ gemeinsam zu gestalten. Die Erziehungsgemeinschaft
umfasst Schülerinnen, Lehrkräfte und Eltern.
Auf der Grundlage des Konzepts „projet éducatif“ wurde
an der Marienschule seit 1996 mit den Europa- und europäischen Comenius-Projekten
eine Zusammenarbeit des Kollegiums eingeführt und der dadurch eingeleitete
Lernprozess wissenschaftlich evaluiert. Diese Projektarbeit regte Diskussionsprozesse
im Kollegium an und prägte die Arbeit am Schulprogramm der Marienschule.
Durch dieses „reflexive Lernen“ wurden die Lern- und Erziehungsziele
der Schule didaktisch und methodisch erweitert.
An der Marienschule in Offenbach wurde erstmals das pädagogische Konzept
„projet éducatif“ für das Bistum Mainz an einer Einzelschule
realisiert1. Der damit aufgewiesene Weg für eine pädagogisch orientierte
Schulentwicklung bildet nun die Grundlage für das Bistum, um das achtjährige
Gymnasium für alle katholischen Schulen in einem Kooperationsprozess
auf verschiedenen schulischen Ebenen durch vielfältige Fortbildungen
und Auseinandersetzungen zu planen, zu gestalten und zu begleiten.2
Dr. Beate Lückert
1 Vgl. Lückert, Beate, Europa-Projekte - Das Konzept
projet educatif und seine Realisierung an einer Schule mit europäischer
Ausrichtung. Frankfurt am Main 2003
2 Anmerkung: Beispielsweise werden u.a. nach einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung
mit den Ergebnissen der PISA-Studie derzeit die Bildungsstandards in den einzelnen
Fächern diskutiert, mit der Zielsetzung den Schülern solides Wissen
mit neuen Lehrmethoden zu vermitteln und Lernprozesse zu erleichtern.