„Czesc and welcome to Czestochowa!“ Neben herzlicher Umarmung waren dies die ersten Wörter; mit denen uns unsere polnischen Gastgeber begrüßten. Eine Studienfahrt nach Polen ?! Goldrichtig - in langjähriger Tradition fand auch im Jahr 2002 der Polenaustausch mit der Partnerschule „Zespol Szkol“ in Tschenstochau statt.

Vom 13. bis 20.10.2002 machten sich fünf starke Mädchen und eine noch stärkere Lehrkraft in den Osten Europas auf. Zunächst war unser erstes Reiseziel Kaftowitz, die Hauptstadt Oberschlesiens; von Frankfurt ging es nämlich mit dem Flugzeug zum nächstliegenden Flughafen, der eben in Kattowitz ist.
Dort erwarteten uns unsere Gastfamilien samt Freunden und polnischen Lehrern. Nach dem Begrüßungszeremoniell setzte sich der Tag weiter so herzlich fort: Sonntag, der 13.10. war ein reiner Familientag, d.h., wir wurden - jede für sich in ihrer Gastfamilie - mit der polnischen Gastfreundschaft vertraut gemacht. Wir lernten die weitverzweigte Familiengeschichte kennen und wurden mit landestypischen Speisen (und Getränken) bekannt gemacht. Auch wenn für unser leibliches Wohl mehr als genug gesorgt wurde - unsere Gastfamilie überraschte uns immer wieder mit neuen Spezialitäten.
Der Wochenanfang stand ganz unter dem Motto „Besichtigung der Stadt Tschenstochau“. Sie gehört zur Woiwodschaft Slask (Oberschlesien) und ist vor allem für die „Schwarze Madonna“ bekannt. Doch wer oder was ist diese geheimnisvolle Dame? Es handelt sich hierbei um ein Bildnis, das zu einem der wichtigsten Pilgerziele Polens gehört. Die Schwarze Madonna befindet sich im Paulinerkloster auf dem „Jasana Gora“, dem lichten Berg.
Vermutlich ist das Bild der Madonna 1384 in einer italienischen Malerwerkstatt entstanden und wenig später dem Paulinerorden gestiftet worden. Die Mönche sprachen dem Bild heilige Kräfte zu und lockten Gläubige aus aller Welt an. Das Kloster etablierte sich nun zum wichtigsten Mariensanktuanum Polens. Durch die zahlreichen klösterlichen Gänge wurden wir von einer Schwester geführt, die nicht nur durch ihr besonders gutes Deutsch auffiel, sondern auch durch temperamentvolles Gestikulieren. Neben diesen kirchlichen und spirituellen Weihen hat Tschenstochau natürlich zahlreiche andere Attraktionen. So weist diese Stadt mit ihren 255.549 Einwohnern verschiedene Museen, Theater, 27 Bibliotheken, acht Hochschulen, 19 Fachhochschulen, eine wunderschöne Einkaufsmeile und urige Kneipen und Bars auf.
Dem aufmerksamen Besucher wird jedoch nicht entgehen, dass manche Bezirke der Stadt aus weniger gut ausgebauten Straßen und maroden Häusern besteht. Uns wurde schnell bewusst, dass die angenehmen Seiten dieser Stadt eben nicht selbstverständlich sind.
Auch der darauffolgende Tag stimmte uns eher nachdenklich. Wir besuchten Auschwitz. Es liegt 53 km westlich von Krakau. Dort befand sich das größte von den Deutschen betriebene Konzentrationslager; hier sowie im angrenzenden Birkenau wurden zwischen 1940 und 1945 etwa 1,5 Millionen Menschen vergast oder erschossen, anschließend verbrannt.
Es ist kaum möglich, all unsere Empfindungen und Gedanken hier zu dokumentieren. Konfrontiert mit menschlicher Grausamkeit standen wir vor dem Unfassbaren, das doch Realität war. Nach sieben Stunden des Betrachtens, der Führung durch das Lager fanden wir langsam zu Worten und zu einer Art Umgang mit diesem Teil unserer Geschichte.
Die weitere Etappe unserer Reise führte uns natürlich zu unserer Partnerschule. Nach eingehender Besichtigung, gemeinsamen Mittagessen, begrüßten uns die Schüler und Schülerinnen mit kreativen Tanz- und Gesangperformances. Ein besonders amüsantes Highlight war unsere Übernachtung in der polnischen Gebirgswelt. Zusammen mit einer polnischen Schulklasse übernachteten wir in einer kleinen Herberge inmitten der Natur.
Doch vorher besichtigten wir die Kunst - und Kulturmetropole Polens: Krakau. Krakau ist lebensdurstig und reich: eine Stadt mit tausendjähriger Tradition, die im Zweiten Weltkrieg nahezu unzerstört blieb. Schlösser; Paläste und über 100 Kirchen befinden sich hier. Besonders aufmerksam betrachteten wir die Marienbasilika mit dem berühmten Veit - Stoß- Altar.
Die abendlichen Aktivitäten standen uns frei zur Verfügung; meist machten wir mit dem jeweiligen Freundeskreis unserer Gastgeberin das Nachtleben unsicher. Dabei ist hervorzuheben, dass das Clubbing in Polen unter anderen Verhältnissen als in Deutschland stattfindet. Der Eintritt beträgt meist 1-2 Euro, was dort nicht als preisgünstig angesehen wird. Die Abende waren stets sehr lustig und wir konnten uns von dem polnischen Temperament überzeugen.
Unsere Reise endete mit einem gemeinsamen Abendessen von Lehrern, Schülern und Freunden, das nicht nur aufgrund der besonderen Location einmalig war.
Dieser Austausch war und ist eine bereichernde Erfahrung, die wir nicht
missen möchten und wir sind froh, diese Gelegenheit wahrgenommen zu haben.
Wir freuen uns schon jetzt auf den Gegenbesuch unserer polnischen Freunde,
der vom 27.3. bis 3.4. 2003 in Offenbach stattfinden wird.
Anna - Fiona Donecker, Abiturientin 2003